Indigenes Wissen - was bedeutet das?
- Elisabeth Hornig
- vor 2 Tagen
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 1 Tag
Indigenes Wissen ist für mich unter anderem das Wissen über die Beziehung zum Land, zur Natur und uns selbst.
Dabei ist mir wichtig: Es gibt nicht das eine indigene Wissen oder die eine indigene Lebensweise. Indigene Gemeinschaften haben unterschiedliche Traditionen, Sprachen, Geschichten, Wissenssysteme und Beziehungen zu dem Land, AUF dem und MIT dem sie leben.

Ja, es ist eine Leben, das nicht nur auf etwas lebt, eben einem Stück Land, sondern mit diesem Land.
Was meine eigenen Arbeit und mein Leben prägt, ist diese interessante Betrachtungsweise, die sich in unterschiedlichen indigenen Wissenssystemen wiederfindet: den Menschen nicht getrennt zu betrachten, sondern in Beziehung.
In Beziehung zu sich selbst.
Zu anderen.
Zur Natur.
Zu dem, was uns umgibt.
DENN: Gerade das GETRENNT-SEIN gehört zu den Herausforderungen und Krankmachern unserer Zeit.
Einsamkeit, den Körper erst spüren, wenn er von Dauerkopfschmerz geplagt ist und kaum mehr schlafen kann.
Angst und Scham in Beziehungen und viel Lebenszeit mit Oberflächlichkeiten uns und anderen gegenüber.
Wie sehr können wir wirklich noch gesund und authentisch mit uns und mit anderen in Verbindung, in Beziehung treten?
Ohne Scham und ohne Schuld, ohne ein „Ah, ich fühle mich schuldig, ich bin falsch so wie ich bin“.
Und ja, wie sehr können wir unsere Prägungen und Glaubenssätze erkennen, die ein sicheres und gesundes In-Verbindung-Gehen oftmals unbewusst verhindern?
Die Fähigkeit, Beziehung zu uns selbst, zu anderen und zu unserer natürlichen Umwelt wahrzunehmen, ist zutiefst menschlich.
Indigene Gemeinschaften haben darüber hinaus eigene Wissenssysteme, Traditionen und Praktiken über Generationen bewahrt und weitergegeben.
Hierbei geht es für mich nicht um kulturelle Aneignung. Es geht um ein respektvolles Zuhören, Annehmen, Verstehen und – dort, wo Wissen mit entsprechender Erlaubnis weitergegeben wird – um ein verantwortungsvolles Integrieren in den eigenen Alltag.
Für mich ist das Lernen indigener Perspektiven auf das Leben somit weit mehr als eine Methode.
Indigene Heilkunde ist für mich keine Methode, die ich einfach „anwende“
Wenn ich von indigener Heilkunde spreche, meine ich damit nicht, dass ich bei Bedarf eine „indigene Technik“ aus meinem Methodenkoffer hole.
Dieses Wissen prägt zunehmend die Grundhaltung, aus der heraus ich arbeite und lebe.
Wie ich wahrnehme.
Wie ich Beziehung verstehe.
Wie ich einen Raum für einen anderen Menschen halte.
Wann es etwas zu tun gibt – und wann vielleicht gerade nicht.
Und auch, wie ich die unterschiedlichen Methoden, in denen ich ausgebildet bin, miteinander verbinde.
Es geht für mich darum, genauer hinzuhören und hinzuspüren – im Innen wie im Außen. Den Menschen nicht nur als Körper oder als denkenden Geist zu betrachten, sondern als komplexes Wesen in Beziehung zu seiner Geschichte, seinen Mitmenschen und seiner Umwelt.
Was hat das mit Nervensystem-Regulation zu tun?
Wenn wir die Welt von heute betrachten, die Nachrichten hören, dann ist uns bewusst, dass so Vieles überstrapaziert ist.
Wir als Menschen haben so einiges in Dysbalance gebracht und bezahlen dies unter anderem mit dem Verlust von Gesundheit, dem Artensterben, dem Rückgang von bewohnbarem Lebensraum, Wasserknappheit und Naturkatastrophen.
Aus meiner Sicht als jemand, der sich intensiv mit Nervensystem-Regulation befasst, sind auch unsere Nervensysteme mit einer Welt konfrontiert, die von enorm viel Geschwindigkeit, Unsicherheit und Reiz geprägt ist.
Und das beginnt nicht erst bei den großen Krisen dieser Welt.
Es beginnt oft mitten in unserem ganz normalen Alltag.
Wir wechseln vom Handy zum Laptop, vom Meeting zum Einkauf, beantworten neben dem Essen noch schnell eine Nachricht und denken beim Zähneputzen schon darüber nach, was morgen alles erledigt werden muss.
Und irgendwann am Abend merken wir vielleicht, dass unser Kiefer seit Stunden angespannt ist, die Schultern bei den Ohren hängen oder wir eigentlich den ganzen Tag nicht einmal wirklich tief durchgeatmet haben.
Wir funktionieren – aber nehmen gleichzeitig immer weniger wahr.
Genau hier sehe ich Berührungspunkte zwischen indigenen Perspektiven und moderner Nervensystem-Regulation.
Ich setze diese unterschiedlichen Wissenssysteme dabei nicht gleich.
Aber Wahrnehmung, Orientierung, Körper, Beziehung, Umgebung, Rhythmus, Natur und Präsenz spielen für mich in beiden Zugängen eine wichtige Rolle.
Die Rückbesinnung auf die Tatsache, dass wir eben nicht getrennt von dem Fisch im Wasser oder der Biene auf der Blume oder dem Wind in den Wolken sind, sondern Teil dieses komplexen Systems, kann uns dabei unterstützen, uns selbst und unsere Umwelt wieder bewusster wahrzunehmen.
Ein erster Schritt kann es sein, einfach die Systeme, im Großen wie im Kleinen, zu beobachten. Und sich hier ins Bewusstsein zu bringen, wie sehr diese Systeme einander beeinflussen.
Wir sitzen nun mal alle im selben Boot. Wir können Vieles wegdiskutieren, diese Tatsache aber nicht.
Indigene Perspektiven auf das Leben können einen holistischen Blick eröffnen, in dem physische, energetische und spirituelle Ebenen ihren Platz haben.
Ein Verständnis davon, dass wir eben nicht getrennt von der Natur leben und uns entwickeln, sondern in Beziehung mit ihr.
Und genau darin sehe ich auch eine Verbindung zu meiner Arbeit mit Nervensystem-Regulation. Indigene Heilkunde und moderne Nervensystemarbeit schaffen einen sicheren Rahmen, der eine gesunde Verbindung zu sich, den eigenen Bedürfnissen sowie Grenzen und seinem Umfeld möglich macht.
Mit Wahrnehmung im Innen wie im Außen starten
Es tut doch gut, frische Luft zu atmen, barfuß durch die Wiese zu gehen, den Geräuschen der Natur zu lauschen.
Ja, so simpel können erste Schritte in ein In-Beziehung-Treten mit unserer Umwelt sein.
Es braucht dazu kein Ritual mit Räucherstäbchen oder stundenlanges Meditieren.
Wie fühlt sich beispielsweise Wind auf deiner Haut an?
Wie, wenn er durch deine Haare und deine Kleidung weht?
Wie riecht der Wind?
Kannst du mit dem Wind atmen?
Und Wasser: Was kannst du erkennen, wenn die Sonne vom fließenden Wasser reflektiert wird?
Wie fühlt sich das Rauschen eines Baches an oder das Eintauchen in die Wellen des Meeres?
Es ist eine Art Lebendigkeit, die uns allen innewohnt, und es ist gerade heute in dieser stressigen, schnelllebigen Welt so wichtig, sich genau dafür Zeit zu nehmen – für den Wind, das Wasser, die Sonne und die Wiese vor deiner Haustüre.
Es zu ehren und auch sich in Dankbarkeit zu erfreuen, wenn es sich zeigt, wie zum Beispiel das Wasser, das vielerorts keine Selbstverständlichkeit mehr ist.
Vielleicht probierst du es heute einfach aus
Wenn du heute nach draußen gehst, versuche für einen Moment, nichts erreichen zu müssen.
Und ja, manchmal geht das "einfache" Nichts-Erreichen-Müssen nicht so leicht und "nur" Wahrnehmen wird zur Herausforderung. Auch das ist Okay und gehört dann eben zum Prozess.
Wenn du aber Lust darauf hast dann:
Lass das Handy in der Tasche.
Nimm wahr.
Wie fühlt sich die Luft auf deiner Haut an?
Welche Geräusche hörst du?
Was bewegt sich um dich herum?
Wie atmest du gerade?
Und verändert sich etwas in dir, wenn du für diesen Moment nicht funktionieren musst, sondern einfach wahrnimmst?
Und spürtst du, wenn du vermeintlich nicht wahrnehmen kannst?
Vielleicht beginnt Verbindung viel unspektakulärer, als wir denken.
Indem wir wieder wahrnehmen, was in uns und um uns herum geschieht.
Denn hinter meiner Arbeit steht eine Überzeugung, die mich tief begleitet:
"Die Welt braucht Menschen, die sich spüren, bevor sie handeln."
Woher stammt das indigene Wissen in meiner Arbeit?
Ich selbst bin nicht indigener Abstammung.
Mein Zugang zu indigener Heilkunde und indigenen Perspektiven entsteht über meine Ausbildung in Energiemedizin, Präsenzarbeit und indigener Heilkunde sowie vertiefende Seminare bei Darrel Combs. Transparenz über die Herkunft dieses Wissens ist mir wichtig. Mehr dazu findest du hier.




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